Wie groß bin ich? Wie breit ist mein Daumen? Und über wie viel Lungenvolumen verfüge ich eigentlich? Um diese und viele andere Fragen dreht sich das Mathe.Forscher-Projekt „Der Mensch in Bewegung und Zahlen“ der Klassen 6b und 6d der Neuen Oberschule Gröpelingen in Bremen. Bei einem Besuch im interaktiven Wissenschaftsmuseum „Universum“ kamen sie den Zahlen, die ihren eigenen Körper bestimmen, auf die Spur.

Dort findet zur Zeit die Sonderausstellung „Mensch in Zahlen“ statt. An verschiedenen Stationen können die Besucher im Selbsttest überprüfen, bis zu welcher Frequenz sie einen Ton noch hören oder wie laut sie schreien können. Für die Mathe.Forscher geht es dort vor allem um die eigenen Zahlen. In Gruppen erforschen sie sich selbst und errechnen dann den Mittelwert. Ganz nebenbei schulen die Schülerinnen und Schüler ihre mathematische Fertigkeiten: Sie erheben Daten, messen und berechnen Oberflächen und werten die Ergebnisse aus. „Wichtig ist uns dabei auch, dass das räumliche Vorstellungsvermögen ganz praktisch trainiert wird und sie automatisch schätzen und das dann rechnerisch überprüfen“, erzählt Mathematiklehrerin Helena Rosenko. Damit lernen die Sechstklässler die Grundlagen jedes Forschungsverfahrens kennen und wenden sie auch gleich an.

Die Schülerinnen und Schüler betreiben die Datenerhebung mit Begeisterung: „Es ist spannend, dass manchmal so unterschiedliche Werte herauskommen“, findet Chioma. „Aber den Herzschlag habe ich mir anders vorgestellt, irgendwie langsamer und regelmäßiger“, bemerkt Cancun. Doch eine Station verwundert die Kinder. „Wofür ist das Toilettenpapier?“, fragt Simona mir neugierigem Blick auf einen Tisch, auf dem außerdem Maßbänder, Tesafilm und Taschenrechner zu finden sind. Die Sechstklässler sollen damit herausfinden, wie groß ihre Hautoberfläche ist – wie, das ist ihnen selbst überlassen.

Zehn Gruppen versuchen, die Aufgabe zu lösen. Ein erwachsener Mensch hat im Durchschnitt etwa 1,7 qm Hautoberfläche. Dann müsste das bei einem Zwölfjährigen also etwas weniger sein, oder? Die Berechnungen einiger Gruppen liegen deutlich über diesem Wert, bei bis zu 2,9 qm. Andere liegen bei 1,1 qm oder 1,25 qm. Die Schülerinnen und Schüler gehen sofort in die Verfahrensanalyse.

Was genau haben die unterschiedlichen Gruppen gemacht, worauf können die großen Unterschiede zurückzuführen sein? „Wir haben Arme und Beine extra umwickelt und haben versucht, möglichst präzise zu sein“, erklärt Leyla. Ihre Klassenkameradin Chioma stutzt: „Das haben wir nicht gemacht. Wir haben unsere Testperson von oben bis unten einfach umwickelt, Arme und Beine nicht extra.“ Das könnte eine Ursache für die unterschiedlichen Werte sein. Doch natürlich spielen auch die unterschiedlichen Körpergrößen und -umfänge eine Rolle und die Frage, ob jemand dicke Klamotten anhatte oder nicht.

Christine Schorr, Leiterin der Abteilung Bildung im Bremer Universum, freut sich über die Ergebnisse: „Ihr habt wie Wissenschaftler gearbeitet: Ihr habt eine Methode entwickelt, die Aufgabe gelöst und dann eine Fehlerbetrachtung gemacht. Denkt daran: Wissenschaft ist immer ein Versuch.“

Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört auch die kritische Reflektion der Vorgehensweise, die Leyla sofort vornimmt: „Die Methode ist nicht schlecht, aber sehr aufwändig. Man muss Toilettenpapier kaufen, braucht mindestens drei Personen und es dauert ziemlich lange. Vielleicht gibt es da noch etwas Besseres. Ich hätte es nur mit einem Maßband versucht.“ Vielleicht findet die Sechstklässlerin noch eine Gelegenheit, das auszuprobieren. Das Mathe.Forscher-Projekt wird noch bis zum Ende des Schuljahres fortgesetzt.