In Mathe.Forscher-Projekten stellen Schülerinnen und Schüler die Fragen und entdecken die mathematischen Grundlagen ihrer Lebenswelt. Wie dieses Konzept in der Praxis greift, dokumentiert die Evaluation, die seit März 2011 an den Schulen durchgeführt wird. 183 Schülerinnen und Schüler und 17 Lehrkräfte haben Fragebögen ausgefüllt. Außerdem diskutierten 15 Schülerinnen und Schüler und 18 Lehrkräfte in Fokusgruppen ihre Erfahrungen mit dem Mathe.Forscher-Programm  auf dem Netzwerktreffen im Mai 2011.

 

Ziel dieser ersten Erhebungen ist es, die Ergebnisse in die Arbeit von Mathe.Forscher einfließen zu lassen: „Die formative Evaluierung ist dazu da, noch während der Durchführung des Programms Anregungen geben zu können. Wir reflektieren immer wieder mit den Verantwortlichen, was funktioniert hat und wo Verbesserungsbedarf besteht“, erklärt Prof. Angela Ittel, Leiterin der Evaluation. Im Fokus der Befragungen standen Akzeptanz und Erfolg der Projekte sowie die fächerübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Schule und die Einbindung externer Kooperationspartner.

 

Zentrales Ergebnis der Auswertung: Engagierte und motivierte Schüler machen den Erfolg des Mathe.Forscher-Programms aus. Durch die Verbindung mathematischer Grundlagen mit Alltagsphänomenen soll ein neuer Zugang zur Mathematik vermittelt werden, der Spaß macht. Dieses Konzept ist aufgegangen: Alle Schülerinnen und Schüler gaben in den Fokusgruppen an, dass sie das Programm fortführen und weiterempfehlen würden. „Eine Weiterempfehlung ist immer ein sehr gutes Zeichen“, ordnet Prof. Angela Ittel dieses Ergebnis ein. „Durch die Verknüpfung mit anderen Bereichen und Fächern wird das Fach Mathematik anders wahrgenommen. Dann geht es nicht mehr nur um abstrakte Zahlen, sondern um die Frage, wofür diese Zahlen denn gut sind. Das steigert die Motivation.“ Für ein Mathe.Forscher-Projekt gehen die Lehrkräfte oft neue Wege. Die Schülerinnen und Schüler profitieren dadurch  von aufgelockerten Unterrichtsformen und der Zusammenarbeit mit anderen Bereichen und Fächern. „Was die Kinder und Jugendlichen dabei toll finden, ist das Gefühl, selbstständig arbeiten zu können“, erklärt Ittel. Das bestätigen die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Wunsch nach mehr Zeit für die Mathe.Forscher-Projekte.

 

Dass ihre Schülerinnen und Schüler in den Projekten Spaß haben, ist auch für die Lehrerinnen und Lehrer ein wichtiger Aspekt. Für sie ist der Mathe.Forscher-Ansatz ein sinnvolles und aktuelles Unterrichtsinstrument, das Freude am Fach vermittelt und eine selbstständige Aneignung mathematischer Sachverhalte unterstützt. Ihren Unterricht im Rahmen des Mathe.Forscher-Programms beurteilen sie als spannender und schülerorientierter. Jedoch fühlen sie sich gerade durch die Offenheit des Konzepts teilweise verunsichert und bei der Projektentwicklung sehr gefordert. Prof. Angela Ittel sieht die Ursachen dafür auf verschiedenen Ebenen: „Auf Lehrerseite werden die Mathe.Forscher teilweise als sehr aufwendig empfunden. Das hängt zum einen von der individuellen Motivation ab, entscheidend ist aber auch die Unterstützung im schulischen Kontext. Deshalb ist es für das Mathe.Forscher-Programm wichtig, nicht nur mit einzelnen Lehrern zusammenzuarbeiten, sondern dass die Schule das Programm mitträgt. So können zum Beispiel die Unterrichtsstrukturen geöffnet werden. Auf dem Stundenplan steht dann nicht Mathe oder Kunst, sondern drei Stunden Mathe.Forscher, die von Mathe- und Kunstlehrer gemeinsam durchgeführt werden.“

 

Wichtiger Bestandteil des Mathe.Forscher-Programms ist die Interdisziplinarität und die Einbindung externer Kooperationspartner. Diese Zusammenarbeit wird als Bereicherung geschätzt. Allerdings fühlen sich nicht alle Lehrkräfte bei der Organisation von externen Kooperationspartnern unterstützt. „Kooperationen mit außerschulischen Partnern bedeuten besondere Anstrengungen. Hier kann das Programm mit Ideen, wer für so eine Zusammenarbeit in Frage kommt und wie so etwas aussehen kann, gezielt unterstützen“, empfiehlt die Leiterin des Evaluationsteams.

 

Die große Stärke des Programms ist, dass die Schülerinnen und Schüler selbstständig Fragestellungen und Inhalte entwickeln. Davon ist Prof. Angela Ittel begeistert, betont aber auch die Wichtigkeit langfristiger Planungen: „Werden Projekte nur punktuell durchgeführt, verpufft sowohl bei den Lehrkräften als auch auf Schülerseite viel Energie. Deshalb ist es wichtig, das Konzept längerfristig im Schulalltag zu verankern.“

Den Zwischenbericht des Evaluationsteams können Sie hier als PDF runterladen.