„Man muss mal loslassen können“, rät Mathelehrer Matthias Hauck anderen Lehrkräften, die forschendes Lernen an ihrer Schule erproben. Warum er keine Angst davor hat, inkompetent zu wirken, erklärt er in „Fünf Fragen an …“

Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer Arbeit mit Mathe.Forscher

Das interessante an Mathe.Forscher ist ja die Idee, den Klassenraum zu verlassen und die Mathematik zu öffnen für die Welt drum herum. Das Aha-Erlebnis bei den Schülerinnen und Schülern zu sehen, wieviel Mathematik doch in der Welt steckt, ist mehr als großartig. Zu sehen –  natürlich auch angestoßen durch uns Lehrer –  wie sie selbst anfangen zu forschen, aktiv werden und selbstständig ihre kleinen Projekte bearbeiten, ist toll. Das hätte man gerne im Regel-Mathematikunterricht. Das ist das Schöne am Mathe.Forscher-Unterricht – und natürlich auch, dass man durch die Teilnahme an dem Programm motiviert ist, den eigenen Unterricht zu verändern, die gewohnten Pfade verlässt, die man sonst gerne betritt.

Was war Ihr größtes Aha-Erlebnis?  

Die Motivation der Schülerinnen und Schüler, die plötzlich wie aufgeweckt sind und ihre eigenen Ideen verfolgen. Das ist eine ganz andere Arbeit mit den Schülern. Sie kommen dann auch direkt auf mich zu und diskutieren über die Ergebnisse. Ob man sie noch verbessern kann?

Es fällt auf, dass die unterschiedlichen Begabungen keine Rolle spielen. Jeder hat sich da eingebracht. Gerade auch die „Schwachen“ waren voller Begeisterung dabei. Das ist der Weg, den man gehen sollte! Die Idee, jeden nach seiner Facon zu fördern, das war sehr schön!

Welcher Baustein von Mathe.Forscher hat Ihnen besonders in Ihrer Arbeit weitergeholfen?

Es waren zwei Bausteine. Zum einen die Vernetzung mit den anderen Schulen. Da gibt es einen guten Austausch und Diskussionen auf sehr hohem fachlichen Niveau. Das zweite ist die hohe Qualität der Fortbildungen. Wir hatten Dozenten, die man bei den üblichen Lehrerfortbildungen nicht bekommt.

Was möchten Sie anderen Lehrkräften mitgeben, die forschendes Lernen ausprobieren möchten?

Mutig zu sein! Man muss loslassen können. Sich bewusst zu werden, nicht mehr alles zu wissen. Den Schülerinnen und Schülern nicht alle Fragen beantworten zu können. Das ist kein Problem für die Schüler – ich habe erfahren, dass man seine Position eher stärkt, als dass man inkompetent wirkt. Aber das ist für uns Lehrerinnen und Lehrer, die doch meist Fragen stellen, die sie selbst beantworten können, eine schwierige Geschichte. Man muss dann als Lehrer auch mal ins kalte Wasser springen. Ich persönlich finde das sehr interessant, denn die Ergebnisse, die man dann bekommt, sind großartig. Das macht großen Spaß.

Wie geht es für Sie weiter, was sind die nächsten Schritte?

Wichtig wäre, forschendes Lernen noch stärker an unserer Schule zu verankern. Nicht nur in der Mathematikfachschaft, sondern interdisziplinär. Ich halte es für entscheidend, auch andere Fachschaften zu beteiligen. Wir holen die Kolleginnen und Kollegen immer wieder in die Projekte: Zum Beispiel die Kunstfachschaft, gerade was die Geometrie betrifft. In der Unterstufe gibt es ein Projekt Mathematik und Literatur. Das möchte ich noch ausweiten und noch mehr institutionalisieren, sodass man auf Unterricht, der schon durchgeführt wurde, noch einfacher zugreifen kann. Es sollte ein größerer Austausch in unserer Mathematikfachschaft selbst und in der Diskussion mit anderen Fachschaften an unserer Schule stattfinden.

Matthias Hauck ist Mathematiklehrer am Hohenstaufen-Gymnasium Eberbach in Baden-Württemberg und seit dem Jahr 2012 bei Mathe.Forscher dabei.

An dem HSG Eberbach sind fünf Lehrkräfte aktiv mit dem Mathe.Forscher-Unterricht beschäftigt, vier Lehrkräfte stehen als Ratgeber zur Verfügung. An dem Gymnasium machen sieben Klassen mit über 200 Schülerinnen und Schülern bei Mathe.Forscher mit.