Mittwoch ist an der Neuen Oberschule Gröpelingen (NOG) Mathe.Forscher-Tag. Zumindest für den gesamten achten Jahrgang, der sich den platonischen Körpern zurzeit forschend nähert. Zwischen 8:45 und 12:15 Uhr wird deshalb seit sechs Wochen in den Klassen- und Gemeinschaftsräumen der Bremer Oberschule gebaut, gerechnet und viel über Geometrie diskutiert. Welche Eigenschaften zeichnen einen platonischen Körper genau aus? Ist ein Fußball etwa auch ein platonischer Körper?

Über 100 Schülerinnen und Schüler nutzen die Zeit, um sich der Geometrie zu nähern, eigene Forscherfragen zu finden und einen individuellen Zugang zu möglichen Antworten zu entwickeln. „Die platonischen Körper sind an sich schon für unterschiedliche Leistungsniveaus angelegt. Hexaeder und Tetraeder werden von denjenigen gewählt, die mit der Materie noch nicht so sicher umgehen. Isokaeder sprechen eher leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler an“, erklärt Mathematiklehrerin Helene Rosenko.

Damit ist der individuelle Weg für jeden einzelnen Schüler frei – entsprechend vielfältig sind die Projekte: Eine Gruppe entdeckt die platonischen Körper, indem sie sie mit der Origamitechnik nachfalten. Andere planen und bauen ihre eigene Stadt mit platonischen Körpern. Geschichtsinteressierte setzen sich mit der Geschichte der platonischen Körper und ihres Namensgebers auseinander.

Etwa 20 Schülerinnen und Schüler bauen in der Schulwerkstatt platonische Körper aus Holz – allerdings in Lebensgröße. Ein Oktaeder wird als Pavillon bald allen Schülerinnen und Schülern auf dem Pausenhof der NOG zur Verfügung stehen. Diesen Aufwand können die fünf Lehrkräfte nicht selbst leisten und haben sich deshalb Unterstützung von einem außerschulischen Kooperationspartner geholt. „Mathe am Strand“, ein Bremer Verein, der Jugendlichen Mathematik anwendungsorientiert nahebringt, passt sehr gut zu den Mathe.Forschern. Mathematikstudent Niko von Rönn, der sich im Verein ehrenamtlich engagiert, ist beeindruckt: „Die Jugendlichen arbeiten jede Woche sehr konzentriert und sind total motiviert. Für die Planung habe ich ihnen die Skizzen mit dem Satz des Pythagoras erklärt. Das war für die 8. Klasse neu, aber sie haben es in der praktischen Anwendung schnell verstanden.“

Um kleinere Bauten geht es bei Sina und Chioma. Sie entwickeln in ihrer Gruppe ein eigenes Gesellschaftsspiel mit den platonischen Körpern. „Wir wissen, dass es kompliziert ist, wir machen es noch ein wenig einfacher“, erklärt Chioma. Auch wenn die Regeln noch nicht ganz festgelegt sind, steht zumindest schon der Gewinn fest: Ein goldener Dodekaeder. Die freie Zeiteinteilung ermöglicht den Schülerinnen, ihr Spiel nach und nach zu entwickeln, und das motiviert: „Der Mittwoch ist das Beste in unserer Schulwoche, weil wir dann frei arbeiten dürfen. Ich finde nur rechnen auch langweilig, aber wenn ich etwas bauen kann, zum Beispiel in der Geometrie, macht mir Mathe großen Spaß“, zeigt sich Sina begeistert. Um welche Form es sich bei einem Fußball handelt, kann sie als Mathe.Forscherin ganz einfach beantworten. „Er ist ein Ikosaederstumpf!“, antwortet sie blitzschnell.