Am Vormittag erlebten die Lehrkräfte das forschend-entdeckende Lernen aus der Schülerperspektive. Auf jedem der runden Tische lag einer der 5  platonischen Körper, als Modul-Origami gefaltet. Diese Körper sollten gemeinsam nachgefaltet werden. Dafür gab es eine schriftliche Anleitung, aber auch die Japanerin Aki Tsurumi stand ihnen als Expertin zur Verfügung. Sie unterrichtet die Origamikunst an einer Volkshochschule. Je nach Interessenlage bildeten sich Gruppen, in denen jeweils eine Figur entstand. Dabei sollten die Gruppen ihre Gedanken, Empfindungen, Prozesse, Fragen sowie Eigenschaften der Körper in einem Lerntagebuch dokumentieren.

Zum Abschluss dieser ersten praktischen Phase fand eine Reflexionsrunde statt. Das Lerntagebuch bildete hierfür die Grundlage. Dabei wurden zwei Hauptthemen diskutiert:

  • Die Notwendigkeit, sich in der Gruppe über Faltschritte und Prozesse zu verständigen. Dies zwingt die Beteiligten, sich auf gemeinsame Begriffe zu einigen. Die Gruppen entwickeln so ihre eigene Fachsprache.
  • Die Gruppendynamik und die Eingliederung als Gruppenmitglied sowie die Herausforderung für die Lernenden, mit forschend-entdeckendem Lernen konfrontiert zu werden.

„Ich bin an meine Grenzen gestoßen. Ich kann jetzt besser erkennen, was eine solche Lernsituation von den Schülern abverlangt“, betonte der Deutschlehrer Stefan Neidhardt.

Am Nachmittag gab es eine weitere Praxisphase: Frau Tsurumi erklärte schrittweise, wie aus einem Blatt Papier eine Schachtel entstehen kann. Anschließend wurden die Eigenschaften der platonischen Körper und weitere Ausführungen wieder aufgegriffen und in einem Vortrag vertieft. Den Lehrkräften wurde so aus der Schülerperspektive noch deutlicher, wo die Unterschiede zwischen dem forschend-entdeckenden Lernen und dem Frontalunterricht liegen. „Ein Ziel der Fortbildung ist es, den Kollegen die Möglichkeit zu geben, sich mit dem forschend-entdeckenden Lernen und der mathematischen Untersuchung der platonischen Körper mithilfe der Origamitechnik auseinanderzusetzen. Damit kann die Qualität des Projektunterrichts verbessert werden“, so Lehrer Dr. Thomas d’Hénin.

Noch lange nach Ende der Fortbildung saßen einige Lehrkräfte an den Tischen und falteten weiter: „Es macht wirklich Spaß. Ich will es fertig falten!“