Am 16. November hat die Mathe.Forscher Rhein-Neckar Auftaktveranstaltung für das kommende Schuljahr stattgefunden. Insbesondere am Impuls „Unterricht ist Kommunikation – der Schüler entscheidet, was gelehrt wurde“ von Martin Kramer waren die über dreißig anwesenden Mathe.Forscher Lehrkräfte interessiert, die sich am Nachmittag am Gymnasium am Kaiserdom in Speyer eingefunden hatten.

Unterricht als Abenteuer

„Wissen wächst. Der Lehrer ist nicht dazu da, den Stoff zu vermitteln. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, zwischen Schülern und Wissen zu vermitteln“, so Martin Kramers didaktisches Credo. Für ihn hat diese Interaktion zwischen Schülern und Wissen einen Namen: Forschen. Er beruft sich dabei auf Célestin Freinet „Wirklich wichtig ist nicht das Wissen, sind nicht einmal die Entdeckungen: Wichtig ist das Forschen.“
Martin Kramers erlebnispädagogisches Konzept von Unterricht als Abenteuer vermittelt Schülern handlungsorientiert, erlebnisbasiert und gruppendynamisch, wie sie mathematische Strukturen erkennen und verstehen können. Spielfreude, Kooperation und Persönlichkeitsentwicklung sind dabei die Eckpfeiler seiner konstruktivistischen Didaktik.
Neben theoretischem Wissen zu Lernumgebungen und Kommunikationsmodellen für das soziale System Unterricht, ging es für die über dreißig Lehrkräfte an diesem Tag in Speyer sehr schnell auch zum „selbst erleben“ über – denn die Praxis ist die Königin.
Man konnte u.a. in verschiedenen Praxisübungen die eigene Wahrnehmung überprüfen, sein Bewußtsein schärfen und kommunikationspsychologische Wirkungen erleben. Über unterschiedliche Materialien hat Martin Kramer gezeigt, dass der Empfänger sich seine Wirklichkeit immer wieder neu konstruiert und so entscheidet, was wirklich ist. So machen es auch die Schüler jeden Tag im Unterricht – sie entscheiden, was gelehrt wurde, was bei ihnen angekommen ist.
In neun Gruppen haben die Lehrer mit Hilfe von Streichholzschachteln Gleichungen aufgestellt und gelöst. Und anschließend konstruktiv über die richtige Lösung diskutiert. Dabei war Martin Kramer wichtig, was Gruppenarbeit bedeutet – gerade auch in einer Schulklasse: „Die Gruppe schafft Leistungen, die ein Einzelner niemals hinbekommen hätte“.
Martin Kramer ist 1973 geboren, Vater, Autor zahlreicher Publikationen (u.a. „Mathematik als Abenteuer“, „Das Geheimnis der Analysis“), Referent, Lehrer und seit 2012 Leiter der Didaktik der Mathematik an der Universität Freiburg.
2015 erhielt er den Robert-Boyle-Preis MNU für das Konzept „Unterricht als Abenteuer“.
Von 2013 – 2017 hat er eine Zusatzausbildung in Kommunikationspsychologie (Schulz von Thun Institut) absolviert.