Ziel der kommenden zwei Mathe.Forscher-Jahre an den Standorten in Norddeutschland ist es, das Erfahrungswissen der ersten Programmphase zu nutzen, um das entdeckende-forschende Lernen im Unterrichtsalltag weiterzuentwickeln und zu etablieren. Unterstützung erhalten die Schulen dabei von Prof. Dr. Brigitte Lutz-Westphal von der Freien Universität Berlin. Für die Mathedidaktikerin stellt das dialogische und entdeckend-forschende Lernen eine wichtige Methode dar, um alle Schülerinnen und Schüler im Unterricht zu erreichen. Sie besucht die Mathe.Forscher-Lehrkräfte vor Ort und wirft mit ihnen einen Tiefenblick in die pädagogische Praxis.

In der Einzelfallbetrachtung werden Lerneinheiten von der Planung über die Durchführung und bis zur Dokumentation besprochen. Dabei wird die Rolle der Lehrkraft stets reflektiert – denn die reicht vom Begleiter über den Experten und Moderater bis zum erwachsenen Forscher. Durch die individuelle Beratung entsteht bei den Terminen der Freiraum, um in offener und wertschätzender Atmosphäre auf die Fragen der Lehrerinnen und Lehrer einzugehen.

Von der Idee zur Umsetzung

Was das in der Praxis bedeutet, zeigt das Beispiel des Georg-Büchner-Gymnasiums in Hannover. Dort bringt das Mathe.Forscher-Team in einem Projekt Mathematik und Architektur zusammen. Eine Herausforderung ist dabei, dass alle fünften Klassen in das Projekt eingebunden werden sollen.
„Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen Häuser entwerfen und dann ein Modell bauen. Im Anfertigen der Skizze und dem Übertragen auf ein Modell steckt sehr viel Mathematik und am Ende hat der Jahrgang sein eigenes kleines Dorf, das wir in der Schule ausstellen wollen“, beschreiben die Lehrkräfte ihre Idee, für deren Umsetzung aber noch einige Fragen offen sind. „Wir suchen nach geeignetem Material für die Modelle und auch methodisch gibt es noch Unklarheiten. Ich würde beispielsweise gerne mit einem Lerntagebuch arbeiten, weiß aber nicht genau wie“, erzählt eine der Lehrerinnen.

Projektbezogene Fortbildungen

Bei diesem Thema stößt sie bei Prof. Dr. Brigitte Lutz-Westphal auf offene Ohren: „Ich finde, das Lerntagebuch ist ein sehr sinnvolles Instrument beim forschenden Lernen, hier lohnt sich auf jeden Fall methodisch-didaktischer Input.“ Ein ausgewiesener Experte in Sachen Lerntagebuch ist der Schweizer Didaktiker Peter Gallin, auf dessen Konzept des dialogischen Lernens sich auch die Berliner Professorin immer wieder beruft.

Gemeinsam mit der Prozessbegleiterin Maren Campe und dem Mathe.Forscher-Team der DKJS wurde die Frage der Lehrerin aufgegriffen und Peter Gallin nach Hannover eingeladen. Im Georg-Büchner-Gymnasium stellt er am 18. Dezember sein Konzept vor und berät die Lehrerinnen und Lehrer ganz konkret bei ihren Projekten. Um das Mathe.Forscher-Netzwerk weiter zu stärken, wird die Veranstaltung für alle Mathe.Forscher-Schulen geöffnet – und so ein weiterer Anlass für überregionalen Austausch geschaffen.