„Ich spiel euch jetzt etwas vor und Ihr sagt mir, was ich gemacht habe!“ fordert Musiklehrer Rasmus Frederich seine Klasse auf und spielt ein paar Töne auf seiner Gitarre. Der Musik- und Deutschlehrer ist der stellvertretende Klassenlehrer der 7b und hat soeben den Startschuss für das Mathe.Forscher-Projekt gegeben. Dass eine Tonleiter gespielt wurde, finden die Schülerinnen und Schüler schnell heraus. Aber was hat Herr Frederich noch gemacht? „Die Hand auf dem Gitarrenhals hat sich bei jedem Ton einen Bund weiter bewegt“, bemerkt Lisa. Damit bringt sie ihre Klasse auf die richtige Spur. Denn je höher die Töne werden, desto enger liegen die Gitarrenbünde zusammen.

Um eine Erklärung für diese Beobachtung zu finden, werden eine Geige, zwei Gitarren, zwei Celli und ein Kontrabass genau unter die Lupe genommen. Für jeden Ton messen die Mathe.Forscher die Saitenlängen. „70 Zentimeter“, diktiert Andy seiner Mitschülerin Celina. Er hat auf dem Cello ein c gespielt und den Abstand vom Anfang der Saite bis zu der Stelle gemessen, an der der Ton gegriffen wird. Das ist das System, nach dem auch alle anderen Töne bis zur nächsten Oktave vermessen werden. Am Ende tragen alle Gruppen ihre Ergebnisse zusammen und vergleichen sie miteinander in einer Tabelle. Und tatsächlich fällt eine Sache auf: Wenn man die Saite halbiert, erhält man eine Oktave.

Hier wird es mathematisch. Trifft das vielleicht auch auf andere Intervalle zu? Um das zu überprüfen und mögliche Regelmäßigkeiten zu bestimmen, werden in den nächsten Mathestunden alle Daten ausgewertet. Zur genauen Berechnung benötigen die Schülerinnen und Schüler Terme und Gleichungen und lernen anhand der Vermessung der Saiten proportionale Verhältnisse kennen. Damit ist das Mathe.Forscher-Projekt der siebten Klasse aber noch lange nicht beendet. Im Deutschunterricht werden die Schülerinnen und Schüler ihre Messungen dokumentieren – und zwar nach der Methode der Versuchsbeschreibung, die sie im Chemieunterricht kennengelernt haben.

„Ich möchte meinen Schülerinnen und Schülern beibringen, dass sie nicht nur für eine Schulstunde oder ein Fach lernen. Was ich im Musikunterricht herausgefunden habe, taucht in Mathe wieder auf. Und was ich aus Chemie kenne, kann auch in Deutsch hilfreich sein“, erklärt Rasmus Frederich den interdisziplinären Ansatz. Unter diesem Motto wird das Projekt noch bis Ende Januar in den verschiedenen Fächern fortgeführt.