Der Schweizer Didaktiker Peter Gallin, der das Unterrichtskonzept des Dialogischen Lernens gemeinsam mit Urs Ruf entwickelt hat, hielt in der Glockseeschule eine Fortbildung für die Mathe.Forscher. Dort zeigte er 14 Lehrerinnen und Lehrern der Mathe.Forscher-Schulen aus Hannover, Bremen und Hamburg, welchen Weg er gefunden hat, um das herkömmliche Frage-Antwort-Spiel, – die „Defizitperspektive“, wie es der Professor der Gymnasialpädagogik nennt – aufzubrechen.

Dafür lässt der Mathedidaktiker die Schülerinnen und Schüler an der Unterrichtsgestaltung teilhaben und hat so deren Entwicklung im Blick: Der Lehrer gibt seiner Klasse Aufträge, die Schülerinnen und Schülern entwickeln ihren eigenen Lösungswege, der Lehrer gibt dazu Rückmeldung, daraus ergibt sich wiederum der nächste Auftrag. Dieses Wechselspiel bildet die Grundlage des Dialogischen Lernens.

Aufträge statt Aufgaben

Die Aufträge im Dialogischen Lernen beziehen auch die Gedanken und Gefühle der Schülerinnen und Schüler mit ein: „Sage mir, wie Du 49 mal 51 rechnest!“, könnte so ein Auftrag lauten. Ziel ist es, die Emotionen und Ideen der Schüler mit einfließen zu lassen und nicht nur die Lösung auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Der hohe Grad an Eigenverantwortlichkeit fördert bei den Schülerinnen und Schülern die aktive Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand. Die Qualität dieser Auseinandersetzung wird auch zur Grundlage der Bewertung: Nicht richtig oder falsch, sondern die Intensität, mit der der Auftrag bearbeitet wurde, liefert die Kriterien für die Beurteilung.

Das Forscherbuch als Unterrichtsintrument

Eine zentrale Rolle nimmt hier das „Journal“, auch Lerntagebuch oder Forscherbuch genannt, ein. Darin sammeln die Schülerinnen und Schüler ihre Ideen und Forscher-Schritte und bekommen so ein Dokumentations- und Reflexionsinstrument an die Hand. Auch die Mathe.Forscher arbeiten häufig mit einem Forscherbuch, in dem die einzelnen Unterrichts-Phasen reflektiert werden.

Die Lehrerinnen und Lehrer aus dem Mathe.Forscher-Netzwerk und freuen sich über den Impuls: „Das Konzept hat eine neue Perspektive aufgemacht, gerade weil es dabei nicht um richtig oder falsch geht. Bei unserem nächsten Mathe.Forscher-Projekt wird das Forscherbuch auf jeden Fall eine wichtige Rolle einnehmen“, resümiert Franziska Dupke vom Georg-Büchner-Gymnasium. So liefert das Dialogische Lernen einen hilfreichen Baustein für das Mathe.Forscher-Konzept: Denn für das Engagement und Interesse der Schülerinnen und Schüler ist es ganz entscheidend, dass sie mit ihren Lehrkräften im ständigen Austausch über ihr Thema oder Projekt stehen.

Weiterführende Informationen zu Peter Gallin und dem Konzept des Dialogischen Lernens finden Sie auf seiner Website.