Schülerinnen und Schüler entdecken seit 2010 im Programm Mathe.Forscher, wie viel Mathematik in ihrer Lebenswelt steckt. Ob auf dem Schulhof, beim Zoobesuch, in der Küche oder im Sport: „Eigentlich ist die ganze Welt voller Mathematik“, bringt es ein Mathe.Forscher-Schüler auf den Punkt. Die Aussage stammt aus einem der Fokusgruppengespräche, in denen das Evaluationsteam der TU Berlin um Prof. Dr. Angela Ittel die Erfahrungen der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte von den Mathe.Forscher-Schulen erhob.

Die Befragung mithilfe von Fragebögen und in Fokusgruppen lieferte wichtige Impulse für die konzeptionelle Weiterentwicklung des Programms. „Die Rückmeldung durch die Evaluation ermöglicht es uns, von Programmseite aus stärker auf die Bedürfnisse der Schulen einzugehen und neue Ideen zu entwickeln, wie das entdeckende-forschende Lernen erfolgreich in die Unterrichtspraxis implementiert werden kann“, erklärt Programmleiterin Melike Yar von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Gemeinsam Mathematik neu entdecken

Nun liegt der Abschlussbericht der ersten Phase vor, die den Zeitraum Januar 2010 bis Mai 2012 umfasste. Und es gibt gute Nachrichten: Mathe.Forscher macht Spaß! Das bestätigen sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch ihre Lehrerinnen und Lehrer. In ihrer Begeisterung motivieren sie sich gegenseitig, sodass sie gemeinsam Mathematik neu entdecken.

Die Kinder und Jugendlichen, die in den beiden Jahren zu Mathe.Forschern wurden, verbinden mit den Projekten viele positive Erfahrungen: Sie sind motivierter, wenn sie bei der Themenauswahl selbst mitentscheiden und zwischen der Mathematik und ihrer Lebenswelt einen Bezug herstellen können. Das fördert das Selbstbewusstsein und neben mathematischen Fähigkeiten werden auch Sozialkompetenzen gestärkt. „Also ich finde, selbstständiger ist einfach viel besser, als wenn der Lehrer das alles erzählt, dann hat man ja eigentlich keine Chance, das selber noch herauszufinden“, beschreibt eine Schülerin ihre Erfahrungen.

Ihre Lehrerinnen und Lehrer übernehmen bei den Mathe.Forschern die Rolle des Lernbegleiters. Das erfordert von ihnen viel Offenheit und Kreativität und bringt hin und wieder große Herausforderungen mit sich. Die Erhebungen zeigen, dass die Lehrkräfte die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler sehr positiv bewerten und selbst viel Freude in den Projekten hatten. Wichtiger Baustein ist auch der Austausch mit anderen Schulen im Mathe.Forscher-Netzwerk, der in regionalen und bundesweiten Treffen gefördert wird.

Praxisnahe Fortbildungen und wissenschaftliche Begleitung

Allerdings entstand auch der Wunsch nach Fortbildungen, die näher an den Herausforderungen des Mathe.Forscher-Programms angelehnt sind und in der konkreten Unterrichtspraxis helfen, um beispielsweise auf die Bedürfnisse von schwachen Schülerinnen und Schülern besser eingehen zu können. „Ich kann den Schülern nicht, wenn sie vorher so einen Unterricht nicht gewohnt waren und zunächst nicht groß in eigene Denkleistung gehen, plötzlich sagen: ‚So und jetzt habe ich die Überschrift und ihr macht dann mal!‘ Die sind überfordert“, beschreibt eine Lehrkraft die Herausforderungen der offenen Unterrichtsgestaltung.

Aus diesen Wünschen hat das Mathe.Forscher-Team der DKJS das Programm-Modul der wissenschaftlichen Begleitung entwickelt. Die Mathedidaktiker Prof. Dr. Brigitte Lutz-Westphal und Prof. Dr. Matthias Ludwig begleiten die Mathe.Forscher und leisten den Schulen konkrete Hilfestellungen bei der Planung und Auswertung von Unterrichtseinheiten. Sie besuchen die Schulen vor Ort und beraten zum Beispiel in Fragen der Binnendifferenzierung. Daneben wurden die Erkenntnisse aus der Evaluation bereits genutzt, um einen bedarfsgerechten Fortbildungsleitfaden zu entwickeln, der interessierten neuen Schulen als Orientierung dienen kann.

Verankerung im Schulalltag

Viele Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich, ihre gewonnen Erfahrungen nachhaltig im Schulalltag zu verankern. Dabei helfen in der zweiten Programmphase das Mathe.Forscher-Team und die Prozessbegleitung vor Ort. Längerfristige Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie Museen und lokalen Institutionen wie dem Hamburger Hafen werden in den kommenden zwei Jahren ebenfalls ausgebaut.

Der gesamte Abschlussbericht des Evaluations-Teams der TU Berlin steht hier zum Download bereit.